Arbeit, die Leben ändert
Steile Wiesen, Arbeit im Stall oder am Feld, aber auch Pflege gebrechlicher Menschen: Freiwillige Helfer schreckt das nicht ab, sondern spornt sie sogar an. Insgesamt haben sie heuer knapp 17.000 Arbeitstage geleistet, berichtete der VFA am Samstag auf seiner Erntedankfeier. VON ANDREAS FELDERER
Michael Kastl aus Garmisch-Partenkirchen erzählt begeistert von seinem ersten Einsatz auf einem Bergbauernhof im Ultental. Auf i8oo Meter Meereshöhe war er mit der harten Wirklichkeit der extremen Bergbetriebe konfrontiert. „Zwei Wochen harte Arbeit als ein Erlebnis, das mein Leben nachhaltig verändert hat”, berichtet Kastl, ,,die Bauersleute verdienen für ihre schwierige Arbeit den größten Respekt”. Noch immer zehre er von der Zufriedenheit der Bergbauern, diese Zufriedenheit habe er in seinem Herzen aufgenommen. „Es gäbe Arbeit für 100 Hände”
1700 Helfer in 15 Jahren
Seit nunmehr 15 Jahren gibt es den Verein Freiwillige Arbeitseinsätze (VFA) in Südtirol. Er unterstützt und koordiniert die Freiwilligen. Träger des Vereins sind der Südtiroler Bauernbund, Caritas, Lebenshilfe und der Südtiroler Jugendring. Knapp 1700 Helferinnen und Helfer legten bei vielen Bergbauernbetrieben Hand an. Ein Höhepunkt ist alle Jahre die Erntedankfeier. So auch vergangenen Samstag im Sarner Bürgerhaus. VFA-Obmann Georg Mayr dankte den fleißigen Helfern: „Es ist heutzutage nicht selbstverständlich, dass Menschen sich freiwillig zur kostenlosen Unterstützung anderer bereit erklären!“
Der Aufgabe von Bauernhöfen entgegenwirken
Durch ihre Arbeit, die die Freiwilligen gegen Kost und Logis verrichten, würde dem Aufgeben von extremen Bergbetrieben sicher entgegengewirkt. Mayr verwies auf die Realitäten in Italien und Nordtirol: „Dort stellen wir leider fest, dass sehr viele landwirtschaftliche Bergbauernbetriebe aufgeben. Damit leisten die Helferinnen und Helfer nicht nur einen Beitrag für die Bauern, sondern auch für die Erhaltung unseres gepflegten Landschaftsbildes.“ Die Aufgabe des Vereins sei hierbei keine leichte, es müsse der richtige Helfer auf den richtigen Betrieb vermittelt werden.
Welche Bedeutung die Arbeit der Freiwilligen mittlerweile hat, zeigt die Anzahl der geleisteten Einsatztage. Heuer liegt sie bei rund 17.000. „Wir können in diesem Jahr nicht von einem Rekordjahr sprechen“, sagt Obmann Mayr, „dennoch ist die Leistung der Freiwilligen wieder mehr als beachtlich“.
Hilfe kennt keine Grenzen
Der Großteil der Freiwilligen kommt auch heuer aus Deutschland, etwa jeder fünfte aus Südtirol. Je fünf Prozent der Helfer stammen aus Italien bzw. Österreich. Dass diese Form der Hilfe auch internationale Resonanz hervorruft, verdeutlichen Helferinnen und Helfer aus Großbritannien, den Niederlanden oder Dänemark. Sogar eine Gruppe junger Männer aus Libyen und eine Helferin aus Japan unterstützten im heurigen Jahr die Bergbauern bei Ihrer schweren Arbeit.
Der Anteil der Helferinnen und Helfer ab 60 Jahren hat in diesem Jahr um rund zehn Prozent zugenommen. Dagegen bedauert Obmann Mayr, „dass der Trend bei den Jungen Menschen leider rückläufig ist.“ Bei den Helfern bis 20 Jahren haben sich rund acht Prozent weniger gemeldet als im Jahr zuvor.
Auch die Zahl der hilfesuchenden Landwirte hat erneut zugenommen: Mit rund 315 Bergbauernhöfen haben so viele wie nie zuvor um eine Unterstützung angefragt.
Mit ungewohnter Situation zurechtkommen
VFA-Koordinatorin Monika Thaler zollte den Freiwilligen Respekt: „Es ist auch für die Helferinnen und Helfer nicht leicht insbesondere bei ihrem ersten Einsatz. Die Arbeit ist schwierig und ungewohnt. Dennoch nehmen sie die Herausforderung an.” Auch für die Bauern sei es zunächst eine ungewohnte Situation: „Man weiß ja nicht, mit wem man das Arbeits- und Familienleben teilen muss. Aber die bisherigen Erfahrungen zeigen, wie schnell die anfängliche Skepsis verfliegt.”
LR Berger: „Wertvoller Beitrag zur Erhaltung der Berghöfe”
Die Bedeutung der Freiwilligen Arbeitseinsätze hob Landesrat Hans Berger hervor: „Diese Hilfe ist ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung extremer Bergbauernhofe, aber auch ein Beitrag zur Erhaltung unserer Schöpfung, unserer Natur und Landschaft und damit auch ein wertvoller Beitrag für das positive Image Südtirols.” Das Eigentum habe in Südtirol noch eine Bedeutung und sei für die Landwirte eine Verpflichtung, es weiter zu bewirtschaften. „Aber alleine schaffen sie es nicht mehr. Daher ist den Freiwilligen und dem Verein Dank auszudrücken”, so Berger.
» Diese Hilfe ist ein wertvoller Beitrag zur Erhaltung extremer Bergbauernhöfe, aber auch unserer Schöpfung, Natur und Landschaft «
Landesbäuerin Hiltraud Erschbamer verwies auch auf die Freundschaften, die sich in den vielen Jahren zwischen Helfern und hilfesuchenden Bauern entwickelt hat. Auch sie sprach den vielen helfenden Händen Ihren Dank aus.
Tatkräftige Freiwillige geehrt
Höhepunkt war die Ehrung einiger Helferinnen und Helfer. deren herausragende Leistungen eine Anerkennung finden sollten: beispielsweise ein Helfer aus Bayern. stellvertretend für jene Helfer. die sich bereits seit über zehn bzw. fünf Jahren auf das „Abenteuer freiwilliger Arbeitseinsatz am Bergbauernhof“ einlassen. Geehrt wurden auch Gruppen von Helferinnen und Helfer.
Die Feier. an der viele Freiwillige teilnahmen, wurde feierlich mit einem Wortgottesdienst, geleitet von Pater Olaf Wurm, umrahmt.
Musikalisch stellte der Bauernbundchor sein Können unter Beweis. Begeistert waren die
Anwesenden auch von den zwei jungen Sarnern Leonhard und Florian, die für ausgelassene Stimmung sorgten.